Sechs Jahre Pflicht, ein Viertel umgesetzt: Key Facts zu den PDFs von fünf Bundesministerien
11.864 PDFs, 504.259 Seiten, geprüft mit veraPDF: 24,9 % der Dokumente aus fünf österreichischen Bundesministerien erfüllen PDF/UA-1. Die Zahlen auf einen Blick.
Seit 23. September 2020 müssen Websites des Bundes barrierefrei sein. Das gilt nach dem Web-Zugänglichkeits-Gesetz auch für PDFs, die ab 23. September 2018 veröffentlicht wurden, und für ältere Dokumente, die für laufende Verfahren gebraucht werden.
Im August 2026 haben wir uns angesehen, wo die Umsetzung steht. Wir haben alle PDFs auf den Websites von fünf Bundesministerien gesammelt und jedes einzeln geprüft.
Die wichtigste Zahl
24,9 % der PDFs sind barrierefrei. 2.925 von 11.757 geprüften Dokumenten bestehen die Prüfung nach PDF/UA-1.
Geprüft wurde mit veraPDF, dem etablierten Open-Source-Validator für PDF/UA.
Key Facts
| Gefundene PDFs | 11.864 |
| Seiten insgesamt | 504.259 |
| Geprüfte PDFs | 11.757 |
| PDF/UA-1-konform | 2.925 (24,9 %) |
| Erfüllen den Standard noch nicht | 8.832 |
| Ganz ohne Strukturinformation | 4.360 |
| Mit Konformitätsangabe, die die Prüfung nicht bestätigt | 1.151 |
| Spanne zwischen den Ressorts | 5 % bis 63 %, Faktor 12 |
Was hinter den Zahlen steckt
4.360 Dokumente haben gar keine Struktur. Für einen Screenreader sind sie nicht erfassbar: keine Überschriften, keine Tabellen, keine Lesereihenfolge.
Struktur allein genügt nicht. Auch bei den Dokumenten, die bereits getaggt sind, wird der Standard überwiegend noch nicht erreicht. Je nach Ressort bestehen zwischen 8 % und 67 % der getaggten PDFs.
1.151 PDFs erklären sich selbst für konform und sind es nicht. Sie tragen die PDF/UA-Kennung in ihren Metadaten, scheitern aber an der Prüfung. Die Kennung setzt ein Exportprogramm, sie sagt nichts darüber, ob das Dokument die Anforderungen tatsächlich erfüllt.
Der Abstand zwischen den Ressorts ist groß. Das beste Ministerium kommt auf 63 %, das schwächste auf 5 %. Das zeigt: Mit passenden Abläufen ist eine hohe Quote erreichbar.
Wo die Hebel liegen
- Zwei Regeln sind in allen Ressorts der häufigste offene Punkt. Beide betreffen Metadaten, etwa ob der Dokumenttitel angezeigt wird. Das lässt sich korrigieren, ohne das Dokument neu zu taggen.
- 1.284 Dokumente haben fünf oder weniger offene Prüfpunkte. Sie sind oft nur wenige Einstellungen von der Konformität entfernt.
- 4.360 Dokumente brauchen eine vollständige Auszeichnung: Überschriften, Absätze, Tabellen, Alternativtexte, Lesereihenfolge. Das ist die Arbeit, die doclarity automatisiert.
Was Handarbeit kosten würde
Die 504.259 Seiten von Hand barrierefrei zu machen, ist kaum realistisch:
- rund 45 Minuten Expertenarbeit pro Seite (unsere Annahme)
- ergibt rund 378.000 Stunden
- das sind etwa 236 Vollzeitjahre (bei 1.600 Arbeitsstunden pro Jahr)
- bei rund 20 € pro Seite beim Dienstleister im DACH-Raum (unsere Annahme): etwa 10 Millionen €
Und das gilt für fünf Ministerien.
Wem das hilft
- rund 300.000 Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung in Österreich (WKO, Größenordnung)
- rund 1,2 Millionen in Deutschland (DBSV)
- rund 30 Millionen in Europa (Europäische Blindenunion)
Getaggte PDFs helfen außerdem bei Legasthenie, motorischen Einschränkungen, nachlassender Sehkraft im Alter und beim Lesen am Handy.
Die Größenordnung darüber hinaus
Rechnet man die gemessenen Werte grob hoch (rund 2.400 PDFs je Ministerium, übertragen auf Länder, Gemeinden, Universitäten und Sozialversicherung), kommt man auf rund 560.000 PDFs im österreichischen öffentlichen Sektor, davon rund 420.000 noch nicht barrierefrei. Dazu kommen rund 15.000 Unternehmen in Österreich, die über das Barrierefreiheitsgesetz verpflichtet sind. Die Werte sind Größenordnungen.
Im Oktober 2026 haben wir die Erhebung auf 382 öffentliche Einrichtungen in ganz Österreich ausgeweitet. Die Ergebnisse lesen Sie hier.
Methode
- Sitemap-Crawl aller PDFs auf den Websites von fünf Bundesministerien, Stand 7. August 2026
- Prüfung mit veraPDF 1.28.0, Profil PDF/UA-1 erzwungen
- Der gesetzliche Maßstab ist WCAG 2.1 AA über die Norm EN 301 549 (Kapitel 10 für Dokumente). PDF/UA-1 ist der etablierte Prüfstandard dafür.
- veraPDF prüft nur die maschinell prüfbaren Regeln. „Konform“ ist daher eine Obergrenze.
Quellen
- Eigene Erhebung Klartext AI / doclarity, August 2026
- Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG), BGBl. I Nr. 59/2019: https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20010727
- veraPDF: https://verapdf.org
- WKO, Barrierefreies Bezahlen: https://www.wko.at/oe/handel/barrierefreies-bezahlen-zahlungsloesungen
- DBSV, Zahlen und Fakten: https://www.dbsv.org/zahlen-fakten.html
- European Blind Union, Facts and figures: https://www.euroblind.org/about-blindness-and-partial-sight/facts-and-figures
- ETSI EN 301 549: https://www.etsi.org/deliver/etsi_en/301500_301599/301549/03.02.01_60/en_301549v030201p.pdf